E wie Einfach expandiert: Vom Stromanbieter zum Online-Marktplatz

Eigentlich ist die Ausrichtung der E.ON-Tochter „E wie Einfach“ recht einfach simple: Es geht um Strom und Gas, bundesweit. Das Konzept einen ansonsten schwierigen Vorgang, nämlich den Wechsel des Strom- und Gasanbieters, zu vereinfachen, soll nun auch auf das E-Shopping ausgeweitet werden. Kein schlechter Gedanke, zumal es für die Kunden auch noch ein Magazin dazu gibt.

Die Strom- und Gaspreise steigen von Jahr zu Jahr, manchmal auch schneller, so dass manch langjähriger Kunde über einen Anbieterwechsel nachdenkt, oder besser nachgedacht hat, denn noch vor wenigen Jahren war das gar nicht so einfach. In diese Lücke wollte unter anderem auch E wie Einfach schlüpfen, als das Kölner Unternehmen 2007 an den Start ging. Wie erfolgreich das funktioniert, kann ich nicht sagen, aber darum soll es an dieser Stelle auch gar nicht gehen. E wie Einfach expandiert in einen Bereich, der mich thematisch viel mehr interessiert als der Strom- und Gasmarkt: E-Commerce.

Die Startseite des e-wie-Einfach-Shops.

Die Startseite des e-wie-Einfach-Shops.

 

Worum geht es beim E-wie-Einfach-Shop?

Im Grunde ähnelt das Konzept des neuen Shops von E wie Einfach dem Marktplatz von Amazon. Über den Shop werden also keine eigenen Produkte verkauft, sondern er dient lediglich als Plattform für Verkäufer. Das hat für alle Seiten seine Vorteile. Der Shopanbieter spart sich die gesamte Logistik und auch das unternehmerische Risiko, dass Shopanbieter ansonsten durch das Vorhalten von Waren eingehen. Die Verkäufer können im Idealfall von der größeren Produktauswahl und der Reichweite profitieren (wenn diese erfolgreich aufgebaut worden ist). Dazu bekommen sie eine moderne Verkaufsplattform ohne große Mehrkosten, von den Provisionen mal abgesehen. Ein eigener Shop kann natürlich parallel betrieben werden, aber auch das macht Arbeit und kostet Geld. Nicht wenige Online-Shops sind daran gescheitert, dass sie trotz toller Produkte einfach keine ausreichende Sichtbarkeit herstellen konnten. Kollektive Marktplätze wie eBay oder Amazon sind da oft eine gute Alternative. Dazu gesellt sich nun auch der Shop von E wie Einfach. Und schließlich profitieren auch die Kunden, denn sie bekommen unter Umständen in nur einem Shop verschiedene Produkte, für die sie sonst mehrere Shops aufsuchen, sich registrieren und den Check-out absolvieren müssen.

Ein Produktbeispiel aus dem Shop von E wie Einfach.

Ein Produktbeispiel aus dem Shop von E wie Einfach.

Doch wie fast immer gibt es neben den Vorteilen auch einige Nachteile bei diesem Konzept. Der Anbieter muss zunächst doppelt Kunden finden. Auf der einen Seite werden Kunden benötigt, die ihre Waren über die Plattform anbieten möchten und auf der anderen Seite muss der Shop auch Kunden finden, die diese Waren dann bestellen. Dazu kommen noch die ganzen technischen Fragen, denn ein Webshop muss heute über alle Geräte hinweg funktionieren, schnell sein und maximal gut aussehen. Für die Verkäufer kann es von Nachteil sein, dass sie sich auf der gemeinschaftlichen Plattform keinen überdauernden Kundenstamm aufbauen können, auf den sie auch dann noch zugreifen können, wenn der Shop floppt und wieder verschwindet. Für die Kunden besteht auch ein Nachteil, den sie vermutlich schon von Amazon kennen. Eine Bestellung mit beispielsweise drei Produkten kommt unter Umständen in drei Chargen an drei verschiedenen Tagen. Wer seine Pakete aus der Postfiliale oder einer Packstation abholen muss, sollte diesen Mehraufwand also einkalkulieren. Zudem legen die Verkäufer auch die Versandkosten selbst fest, so dass es auch hier zu unterschiedlichen und mehrfachen Belastungen kommen kann.

Produkte werden durch Kundenmagazin begleitet

Die Produkte im E-wie-Einfach-Shop sind in fünf Kategorien aufgeteilt: Inspiration, Wohnen, Kochen, Lifestyle und Freizeit. Es handelt sich dabei weniger um Dinge nach denen man aktiv sucht, sondern mehr um Produkte die man erst haben möchte, nachdem man sie entdeckt hat. Dieser explorative Charakter wird zudem von einem Magazinbereich verstärkt, der den Besuchern nützliche und unterhaltsame Inhalte anbietet, die sich um die Themenbereiche der angebotenen Produkte drehen. Der Magazinbereich ist also quasi ein digitales Kundenmagazin, dass es auch als eMag für Android und iOS gibt. Hier erfahren die Interessenten allerlei Tipps und Tricks, mit denen sie ihren Alltag „schöner, besser und einfacher machen und somit die Lebensqualität erhöhen“ können.

Das Magazin zum Shop ist etwas unauffällig und könnte sich beim Aufruf etwas mehr von der Startseite abheben.

Das Magazin zum Shop ist etwas unauffällig und könnte sich beim Aufruf etwas mehr von der Startseite abheben.

E-Commerce meets Content Marketing können man den Ansatz auf eine prägnante Formel zusammenfassen. Ich bin mir sehr sicher, dass wir in diesem Bereich in den nächsten Monaten noch viele weitere Beispiele sehen werden. In der Printwerbung fällt mir das schon länger auf. Hier gibt es Werbebeileger in Zeitschriften und Tageszeitungen, die von der Aufmachung und dem Inhalt her nicht wie herkömmliche Werbeprospekte wirken, sondern wie Kundenmagazine konzipiert sind. Sie beschreiben die angebotenen Produkte nicht nur durch eine einfache Übernahme der beschreibenden Texte auf der Verpackung, sie betten die Produkte in Nutzungsszenarien ein und zeigen dem Kunden somit sehr praxisnah, wofür sie ein Produkt benutzen können.

Einen Kritikpunkt habe ich an dieser Stelle dann aber doch noch am Konzept von E wie Einfach. Das eMag kostet 1,79 pro Monatsausgabe oder alternativ 4,49 für drei Monate. Auf der einen Seite verstehe ich schon, dass solche Magazine Kosten verursachen, immerhin gebe ich zusammen mit Jan Tißler das UPLOAD Magazin als digitales Magazin heraus, das ebenfalls nicht kostenlos ist. Allerdings erwarte ich von einem Kundenmagazin, dass es kostenlos ist, da die darin enthaltenen Artikel zumindest den Abverkauf unterstützen und fördern sollen. Es ist in dem Sinne kein journalistisches Produkt, sondern werbender Inhalt. Dass die Ausgaben für die Redaktion und die technische Umsetzung schon recht hoch werden können, ist zwar Fakt, aber hier würde ich mir etwas mehr Vorleistung von E wie Einfach wünschen. Die Kunden für Werbung bezahlen zu lassen, finde ich jedenfalls aktuell noch sehr schwierig. Besser wäre für mich der Gedanke, dass man die Kunden für ihr Interesse mit einem spannenden Magazin belohnt. Über diesen, dann kostenlosen Ansatz, würde das eMag sicher auch mehr Leser finden und über die Anregungen im Magazin auch die Verkäufe ankurbeln. Wenn das letztlich gelingt, hätte sich die Vorleistung der vollen Kostenübernahme auch gelohnt. Als kostenpflichtige Version wird es das digitale Magazin aber schwer haben genügend Abonnenten zu finden – und die Kosten sind trotzdem da.

Der E-wie-Einfach-Shop – eine Konkurrenz für den Amazon Marktplatz?

Eine echte Konkurrenz ist der E-wie-Einfach-Shop natürlich noch nicht und wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht werden – wobei man das nie genau sagen kann, denn auch Amazon ist mal klein angefangen. Die Voraussetzungen sind allerdings heute etwas anders, da es mit Amazon eben schon einen Giganten auf dem Markt gibt, dem auch kritische Dokumentationen kaum großen Schaden zufügen können. Ein großer Pluspunkt von Amazon sind zudem die Empfehlungen, die bei großer Anzahl bestimmte Artikel zusätzlich befeuern. Zwar wissen wir auch hier, dass nicht jede Bewertung und jeder Kommentar echt ist, doch das scheint für Kunden mit Kaufabsicht nicht wichtig zu sein. Eine Bewertungs- und Kommentarfunktion fehlt dem E-wie-Einfach-Shop bisher also noch. Etwas schade ist es auch, dass einige Verkäufer nur ein Produktbild eingestellt haben. Da sich dieses dann weder drehen noch zoomen lässt, wird hier viel Potenzial verschenkt.

Für den Check-out stehen dem Käufer leider nur eine Kreditkarte und der Paymentanbieter Sofortüberweisung zur Auswahl. Ich gehe mal davon aus, dass dies nur der aktuelle Stand ist und weitere Bezahlmethoden noch folgen werden. Das halte ich für unabdingbar, denn Kreditkarten haben in Deutschland immer noch nicht den Verbreitungsgrad wie beispielsweise in den USA oder Großbritannien. Anbieten würden sich hier das Lastschriftverfahren für Stammkunden und aufgrund der großen Verbreitung auch PayPal.

Fazit:

Es gibt also noch einige Dinge zu tun. Dennoch halte ich das Konzept für interessant und bin sehr gespannt, wie sich der Shop weiterentwickelt und ob wir bald ähnliche Konzepte von anderen Unternehmen sehen werden.

Interessant ist übrigens auch das Vermarktungskonzept. Über eine Aktion für Blogger soll Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit erzielt werden. Mal schauen, wie dieser Plan aufgeht…

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