Twitter ist tot – gelesen wird woanders

Lesen scheint heutzutage komplett überbewertet zu sein. Nein, damit sind nicht etwa Bücher zum in die Hand nehmen gemeint, sondern vielmehr Artikel im Internet. Bei Twitter wird beispielsweise hemmungslos geretweeted, ohne das der Tweeter oder die meisten der Retweeter einen Artikel überhaupt gelesen hätten. Stimmt die Überschrift auch nur halbwegs und erweckt somit die Gier nach Retweets, greifen viele Twitterer beherzt zu und feiern sich selbst, wenn die Follower ihn mit einem Retweet bedenken – ebenfalls ungelesen versteht sich.

Natürlich eignet sich auch diese Überschrift wieder für die RT-Jäger und ich war ehrlich gesagt einen kurzen Moment versucht das übel auszunutzen. Warum nicht mal eine typische RT-Headline hernehmen und dann dahinter einen leeren Blogpost zu verstecken? Könnte mir zwar gefallen, ändert aber wohl leider nichts und einen Mehrwert bietet es auch niemanden. Und darum sollte es doch eigentlich nach meiner Auffassung bei Twitter immer noch gehen, oder?

Twitter bitte nur in die grüne Tonne...

Warum empfiehlt man seinen Kontakten Inhalte, die man selbst gar nicht kennt?

Nennt mich gerne einen Naivling, aber dieses sinnlose Retweeten geht mir ganz gehörig auf die Nerven. Da schreibt man einen Artikel, in den man nicht eben wenig Zeit investiert hat und schickt ihn über Twitter in die digitale Welt und schon nach wenigen Sekunden kommen die ersten RTs. Also so schnell kann nicht mal Data lesen (die TNG-Fans wissen was ich meine). Toll ist es natürlich auch, wenn dem RT noch ein sinnbefreites #Trend oder #Aha! vorangestellt wird. Noch ärgerlicher sind dann aber die Tweets, die es sich herausnehmen einen Artikel nur anhand seiner Überschrift zu beurteilen, ohne ihn auch nur ansatzweise gelesen zu haben.

Twitter ist tot!

Für mich hat Twitter damit seinen Höhepunkt überschritten und mir macht es mittlerweile deutlich weniger Spaß den Dienst zu nutzen. Besonders ärgerlich dabei: Oft sind es fehlende Innovationen, technische Probleme oder ein übermächtiger Konkurrent, die zum Scheitern einer Idee führen – Twitter wird aber von den Nutzern getötet!

Ich werde Twitter weiter nutzen, aber mehr aus sentimentalen Gründen. Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt und es gibt ja auch noch die echten Twitterer, die ihren Followern einen Mehrwert bieten und mit anderen konstruktiv diskutieren. Die vielen mehrwertlosen Lautsprecher brauche ich allerdings nicht.

Wie seht ihr die Entwicklung bei Twitter? Übertreibe ich oder seid ihr gar selbst schon weg? 

Bildnachweis: Foto von ACaDeMiK auf Flickr. Lizenz CC-BY.

36 Gedanken zu “Twitter ist tot – gelesen wird woanders

  1. Moin Falk,
    zum einen möchte ich sagen, dass ich Twitter liebe und sehr viele Texte die mir empfohlen werden wirklich lese. Zum anderen sehe ich die Entwicklung ähnlich wie du, viele, gerade neue Twitterer, versuchen so neue Follower zu erlangen. Mich nervt es auch wenn mir jemand einen Beitrag empfiehlt und ich mir die Überschrift durchlese und ihn für lesenswert empfinde, in meinen „Read it later“ werfe und später merke das ganze war nur Werbung, ohne Mehrwert und ohne interessanten Thesen.
    Meisstens entfolge ich solche Leute sofort. Aber das muss jeder Handhaben wie er meint… Jedenfalls toller Beitrag und er bekommt einen ehrlichen RT von mir 😉

    • Hi Niklas,

      das mit dem Entfolgen klappt ja nur bedingt. Wenn Du für ein Unternehmen schreibst, beschäftigst Du Dich in der Regel auch mit dem Feedback aus den Social Media Kanälen – so sollte es zumindest sein. Bei dem Monitoring fallen die Schnell-Retweeter dann immer extrem auf und das nervt mich halt zunehmend.

      Echte RTs nehme ich aber natürlich gerne 🙂

  2. Hallo Falk,

    danke für den Post. Bin da anderer Meinung. Klar gibt es diejenigen, die sofort retweeten.

    Aber dafür gibt es zumindest für mich zwei Gründe: Einmal der Absender und zum anderen der kurze Check des Artikels. Letzteres bedeutet eine Art Scan, den ich mir angewöhnt habe, als ich mit dem Nutzen des Feed Readers begonnen habe.

    Grundsätzlich bookmarken / faven aber viele Tweets und ich gehe davon aus, dass sie diese dann zu einem späteren Zeitpunkt auch lesen. So mache ich es wenigstens. Zwischendurch nehme ich mir immer wieder die Zeit dafür. Und so schaue ich dann auch schon einmal genauer, wenn ein Follower von mir einen Tweet mit Lesenswert o.ä. kennzeichnet und re-tweeted.

    Twitter ist nach wie vor verdammt fix. Bei G+ siehst Du auch, dass verdammt fix geplusst wird 😉 oder Kommentare reinkommen.

    Deine Beobachtung gilt also auch für andere Plattformen. Vielleicht hängt Deine Twittermüdigkeit ja mit G+ zusammen 😉

    Liebe Grüße

    Johannes

    • Hi Jo,

      danke für Deinen Kommentar und Deine Sichtweise, die ich gut nachvollziehen kann.

      Klar gibt es da Unterschiede. Wenn ich weiß wie jemand tickt, denkt und arbeitet, dann nehme ich ihn ganz anders wahr und vertraue ihm auch sehr viel eher. Dann kann man durchaus auch mal einen RT absetzen und einen Artikel später lesen – Dich habe ich im Reallife kennenlernen dürfen und Dir nehme ich das auch voll ab.

      Dennoch steigt meiner Meinung nach die Zahl derer, die Informationen komplett ungelesen weiterreichen. Als uninformierter Informant glänzen hört sich nicht nur verrückt an, das ist es auch 😉

      Und was G+ angeht: Ich nutze die neue Plattform gerne, aber zusätzlich und nicht als Ersatz – weder für Twitter noch für Facebook 🙂

  3. Hallo Falk,

    ich verstehe was Du meinst. In meinen Projekten hat selbst Google Plus bereits Twitter als Herkunftsquelle abgelöst. Twitter spielte mal eine ganz große Rolle in den Statistiken, mittlerweile eiert es an einem der letzten Plätze herum während sich Facebook auf Nr.1 der Netzwerke etabliert hat und von Google Plus gejagt wird, wobei G+ da noch ganz schön weit entfernt ist. 😉

  4. Hi Falk,

    tolle Überschrift, noch besserer Artikel 🙂 Grundlegend gebe ich Dir mit der Aussage auch recht – aber mit der Zeit lernt man „seine Pappenheimer“ kennen und wie Du bereits auch schon äußerst, kennt man damit auch irgendwann die Personen, deren Timeline ich sehr gern durchforste und deren getwitterte Inhalte ich auch sehr gern lese – damit meine ich auch den ganzen Artikel und nicht nur die Headline. Letztlich muss ich sagen, dass die „These“ ebenfalls für Facebook und Google+ gilt – eigentlich wird überall gern geliked oder ein Plus gesetzt, sobald schon der Titel stimmt… schade eigentlich, aber da hilft nur gutes „Sortieren“ der Followings, Circles und Freunde.

    Viele Grüße
    Jasmina

  5. Erleb ich eigentlich ziemlich selten – natürlich werden meine Artikel auch schonmal RTed ohne dass der Retweeter es schon gelesen hätte, aber kurz darauf bekomme ich dann meist doch noch Feedback.

    Ich selbst wüsste jetzt keinen Fall, wo ich ungelesen RTed hätte, zumindest überfliege ich den Artikel vorher.
    Die Idee mit dem leeren Blogpost würd ich selbst nicht umsetzen, einfach weil meine Follower (denke ich zumindest) vorher wie ich auch wenigstens überfliegen.

    Ansonsten: Twitter ist für mich wieder ziemlich lebendig geworden, obwohl ich vor noch nicht so langer zeit darüber nachgedacht hatte, meinen Account zu löschen, weil Twitter irgendwie inhaltsleer und von Hatern geprägt war – einige Nutzer mit sehr vielen Followern (Größenordnung: mehr als 500, wenn icht duetlich darüber) hatten recht spontan ihren Account gelöscht, das fand ich durchaus merkwürdig, immerhin ist es schon Arbeit, Follower zu bekommen (ohne Spam und Followingsammeltools etc; noch schwieriger ist es, wenn man Bots und Spammer mit BotPwn oder manuell blockt).

    Vielleicht solltest du ja auch mal eine Twitterpause machen? Hat mir ziemlich geholfen, wobei 3, 4 tage doch zu wenig waren, eine Woche hätte es schon sein sollen…

  6. Diese Beobachtung konnte ich auch (mal) machen. Wenn ein Artikel bei Twitter, Facebook usw. eingestellt wird und dieser nach 1 oder 2 Minuten schon die ersten Retweets bekommen hat, kann er unmöglich ausgiebig gelesen worden sein, sondern wurde nur gescaned. Aber mal ehrlich, so schlimm ist das doch nicht. Es gibt noch genüged Menschen, die sich auch mit dem Artikel auseinandersetzen. Wie heißt es doch so schön, es gibt solche und solche.

  7. Pingback: #Aha! Twitter ist tot! » der Wortkotzer

  8. Meiner Meinung nach kann man Twitter und Google+ gar nicht miteinander vergleichen, weil sie unterschiedlich funktionieren. Es stimmt, dass viele vor allem auf ihre Followerzahlen schauen und weniger auf die Inhalte, aber auch hier auf Google+ gibt es bereits die ersten schwarzen Schafe, die einen mit Werbeschrott zumüllen.

    Hier noch der Link zu einem Artikel, der ganz gut zu dieser Diskussion passt, und ja, ich habe ihn gelesen 🙂 http://bit.ly/pVVsfW

  9. Falks Ärger kann ich vor allem bei negativer Kritik gut verstehen. Wenn ein Artikel einfach so weiterempfohlen wird, lässt man sich das ja noch gefallen. Wie es weiter oben schon in den Kommentaren hieß, kann das durchaus als Lob verstanden werden. Aber wenn jemand einen Beitrag ganz offensichtlich nur anhand der Überschrift abkanzelt, ist das schon anstrengend.

    Eigentlich sollte man so etwas einfach ignorieren, denn solche Leute gibt es immer wieder. Aber in manchen Momenten kann einen das schon treffen – besonders wenn man sich viel Mühe mit dem Text gegeben hat und derjenige nimmt sich dann nicht einmal die paar Minuten, um das zu lesen, es zu verstehen und sich erst danach eine Meinung zu bilden. Das ist in meinen Augen einfach respektlos und dumm.

    Twitter fördert so ein Verhalten leider ein bisschen, weil alles so kurz, knapp und schnell ist. Man muss sich da die Leute sehr genau aussuchen, denen man folgt. Zum Glück lassen sich nicht alle von der Schnelligkeit des Mediums Twitter verführen. Und die anderen sollte man eher als Übungsobjekte in Sachen Gleichmut und Ignorieren ansehen. Denn solche Leute wird es immer geben und eben nicht nur auf Twitter. Ich sehe ja auch auf Facebook und selbst in Kommentaren unter einem Artikel, das manche Leute nicht in der Lage oder nicht Willens sind, einen längeren Text zu lesen. Wenn da ein Beitrag anhand des ersten Absatzes beurteilt wird, kann man schon froh sein…

  10. Hallo Falk,

    klasse Beitrag! Mich nervt dieses Phänomen nicht wirklich, aber es verwundert mich. Und zwar weil ich zu denen gehöre, die Artikel wirklich lesen. Ich komme mit scannen nicht klar, deshalb lese ich. Das erfordert mehr Aufmerksamkeit, dafür werden es weniger Artikel. Das tut aber mMn letztlich sowohl dem Autor als auch mir selbst gut.

    Und eine selbst auferlegte Regel befolge ich seit ich dabei bin: vertwittere niemals einen Artikel, den Du nicht auch gelesen hast und tatsächlich empfehlen möchtest. Ich mag es nicht sehr, dass Twitter zur Linkschleuder verkommen ist. Und wie Pascal schon schrieb, nutze auch ich seit G+ Twitter weniger. Das Prinzip aber bleibt, ich mute meinen Followern keinen Retweet zu, wenn ich den Beitrag dahinter nicht kenne.

    Ich freue und erfreue mich natürlich auch meiner Retweeter. Aber oft hab ich mich gefragt, wie machen die das? Ich hab meinen eigenen Artikel gerade erst vertwittert und schon retweeten sie ihn, sie können ihn doch unmöglich gelesen haben! – Und siehe da, in letzter Zeit hab ich einige Male gelost. Dazu muss man wissen, dass ich die Linktexte für meine eigenen Blogposts vorbereite und in eine Textdatei speichere. Und wie gesagt, ich hab gelost und die Kurzlinks nicht ausgetauscht, sodass die neuen Texte mit den alten Links rausgingen. Und was soll ich sagen? Selbes Phänomen! Es wird retweetet, findet also (scheinbar) in gewisser Weise Anerkennung/Aufmerksamkeit/Zustimmung, obwohl etwas völlig anderes verlinkt ist …

    Twitter ist down, um das mal zusammenfassen.

  11. Pingback: GB Bilder » Twitter ist tot – gelesen wird woanders | Wissenssucher

  12. Zumindest wenn es nach der Überschrift geht, sehe ich es ähnlich: Twitter ist tot!

    Ich merke ja selbst, dass ich den Dienst im Gegensatz zu den letzten 3 1/2 Jahren nur noch sporadisch nutze. Dafür spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Einerseits finde ich viele meiner Follower und denen ich folge auch auf anderen Plattformen. Anderseits geht mir der Spam (Lebensberater, usw.), das 140 Zeichen Limit und fehlende Funktionen bzw. Innovationen gehörig auf den Senkel. Die Streams bei Facebook und Google+ sind einfach viel ausgereifter, lassen sich besser filtern und bieten mir mehr Informationen. Der Mehrwert ist wesentlich höher, insbesondere bei G+ (auch wenn die Abkehr von Twitter schon früher begonnen hat). Minimalism siegt eben nicht immer…

  13. Twitter nüzt jeder nur noch für seine Werbung.Eine Komunikation da aufzubauen ist sinnlos da es keinen interessiert. Ausser in der Welt passiert etwas GRAUENHAFTES .Feedbäck bekommst Du nicht auf deine Postings,nur Werbung. Es ist das Zeitalter jeder muss jeden übertrumpfen.Ich selber war einer der ersten bei Twitter da war es in Deutschland noch nicht bekannt,heute bin ich nur angemeldet und lösche jeden Tag an die 100 Werbemails aus meinen E-Mail Account. Warum mache ich das eigentlich?

    Gruß Ralph

  14. Danke fuer den Beitrag, mich beschaeftigt auch das moegliche Sterben von Twitter. Die RT ohne lesen waren mir gar nicht bewusst, evtl. weil ich es wie kadekmedien halte. Mir fallen in letzter Zeit vielmehr die Spam Tweets auf, nicht endende 1:1 Dialoge ohne Info worum es geht.Dagegen sind Guten Morgen Welt und Kaffee Tweets harmlos. Unter den Neu Followern entdecke ich auch weniger Sinnvolle als noch vor 2, 3 Monaten. Bin gespannt wie sich das entwickelt, ich haenge auch an dieser Twitterei

  15. Guten Morgen, Falk,

    danke für diesen Post, du sprichst darin etwas an, worüber ich selbst auch schon oft nachgedacht habe. Als ich vor gut einem Jahr begonnen hatte, zu twittern, habe ich mir die Mühe gemacht, alles, was mich interessiert hat, und erst recht alles, was ich weitergeleitet habe, zu lesen. Nicht nur quer zu lesen. Was ich nicht geschafft habe, legte ich entweder als kategorisiertes Lesezeichen ab, oder druckte Artikel und Posts zu bestimmten Themen aus. Mit der Zeit sind so zwei fette Ordner zusammengekommen, die ich immer wieder zum Nachschlagen nutze. In letzter Zeit allerdings habe ich mir aus Zeitmangel angewöhnt, mehr quer zu lesen. Ich lese die Headline, den Vorspann, überspringe auch mal einen Abschnitt und lese zudem das Fazit / den Schluss. Ich denke, dass es individuell sehr verschieden ist, wie schnell jemand lesen und das Wesentliche einer Aussage erfassen kann. Aber in der Tat gibt es Momente, in denen manche innerhalb nur einer Minute einen Retweet nach dem anderen raushauen. Da frage ich mich schon auch, wie das so ratzfatz gehen soll? Allerdings, selbst das wäre prinzipiell mit Hootsuite möglich: Tweets speichern, die man noch lesen wird um sie dann irgendwann im Konvoi als RT rauszuschciken. Was die Lebenserwartung von Twitter anbetrifft; habe nicht den Eindruck, dass dieser Dienst am Ende ist. Und – wie so oft – leben Totgesagte immer länger.

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  17. Es ist wohl auch eine Frage der Followerschaft – die SchnellRTs kenne ich eigentlich nur von den Bots, die schon seit Jahren keiner mehr liest – der Rest meiner Followerschaft RTt selten (ganz allgemein) und offensichtlich erst, nachdem sie es gelesen haben, denn meist kommt noch ein Kommentar dazu 🙂

    Ich vermute aber mal, bei Corporate-Blogs sieht das schon aufgrund der Masse an Usern anders aus. 🙂

    • Wenn ich etwas „weiterleite“, dass mir nicht gefällt o.ä. schreibe ich einen neuen Text und verweise auf den Artikel/Quelle. Retweeten heisst für mich ich schicke die Nachrichte 1zu1 weiter und verändere sie nicht. Darum ist das für mich (komplette eigene Meinung) eigentlich schon eher positiv/zustimmend gefärbt. Ansonsten erwarte ich vom „Weiterschicker“ ein Kommentar, welches den Link in den gewünschten Kontext setzt. z.B. „Schlechter Artikel zum Thema XY siehe http“, oder „Schaut mal diese merkwürdige Aktion XY siehe http“.

  18. Guter Artikel und eigentlich wurde bereits alles gesagt. Da meine Artikel nicht besonders oft retweetet werden, kenne ich das Problem selber nicht, kann es jedoch nachvollziehen. Ein Teil des Problems ist natürlich auch das fehlende Feedback. Wenn man in der Kneipe sinnlose Sache erzählt bekommt schnell eine „Gegenantwort“ vom Tischnachbarn. Bei Twitter, Facebook und Co. funktioniert das kaum und wenn, dann mehrheitlich über trollen. So kommt es vor, dass einige Nutzer halt jeden und alles in irgend einer Form weiterschicken.

    Bedenklich finde ich hierbei den neuen Trick von Sascha Lobo unter seine Spiegel Artikel ein tl;dr (too long; didn’t read) zu hängen. Natürlich sprich er hierbei das Problem ironisch an, aber mir kommt es so vor, als ob er versucht „cool“ zu sein. Wie etwa ein Lehrer, der für seine Schüler „cool“ sein will und ihnen darum sagt, dass Schule schei** ist und die Texte daheim eh nicht gelesen werden müssen. Die Folgen für den Notenschnitt dürften klar sein. Natürlich möchte ich nicht so weit gehen Sascha Lobo als Lehrer und uns als Schüler hinzustellen. Aber die Abkürzung hat für mich etwas Befremdliches. Vor allem in einem offiziellen Blatt wie dem Spiegel online.

    Mich würde eure Meinung dazu interessieren.

    mit freundlichen Grüßen
    Bätschman

  19. Danke für diesem tollen Post. Und warum das ganze Retweeting? Wegen der Follower. Und warum möchte man viele Follower? Wegen der Selbstinzenierung. An anderer Stelle schrieb ich folgendes:

    „…Was glaubst du, wie viele “FooooLGST du miaAAA?!?!” ich schon bekommen habe? Es ist überall so, in allen sozialen Netzwerken: Man tauscht sich nicht aus, man sammelt. Freundschaften, Follower. Weil man sich inszenieren möchte, man möchte zeigen wie man sein möchte, nicht wie man ist. Man identifiziert sich zu sehr mit dem “Viele Freunde/Follower = ich bin beliebt, die Leute mögen mich”. Das ganze SoMe – Zeug verkommt von einer ursprünglich guten Idee zu lachhaften Poserschrott. Als Peter Breuer aufgehört hat zu twittern, bin ich ins grübeln gekommen. Was soll das alles? Was ist eigentlich der Sinn von Twitter, Facebook, Google+,…? Der Informationsaustausch. Der findet aber nur noch begrenzt statt. Also hab ich aufgeräumt. Wo sich vorher in meiner Timeline du, deine Schwester, der Brohm, Regendelfin und all die anderen rumtummelten, sind jetzt Reporter, der Regierungssprecher, meine handvoll Blogleser und ein paar Gamingseiten drin. Ich habe aus meinem Twitter-Account das gemacht was er ursprünglich sein sollte: Einen News – Feed. Und Facebook ist auch nicht mehr Stundenweise auf, sondern nur noch einmal, höchstens zweinmal am Tag kurz auf. Auch durch meine Ausbildung als Fachinformatiker habe ich eine ganz andere Sichtweise auf das ganze Computerzeug inkl. Internet bekommen. Habe ich früher immer gezockt, informiere ich mit jetzt über die Plünderer in England.

    Wer nicht begreift, wozu die sozialen Medien fähig sind (oder fähig sein können, siehe Extremismusverbreitung) und weiß wie er richtig damit umgeht, sollte gar nicht erst den Browser aufmachen. …“

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  23. Ich denke Retweet != Empfehlung
    Bzw. ein Retweet sagt doch nicht zwangsläufig etwas über die Qualität des retweeteten Content etwas sondern viel eher, dass der Content auch für Andere von Interesse sein könnte.

  24. Nee, du übertreibst nicht. Wenn der Titel gut ausgewählt ist, steigt die Chance das er RT wird. Das einige den Artikel nicht lesen, aber nach paar sec. RT stört mich nicht, schließlich verpassen sie die Botschaft des Artikels nicht ich. 🙂

  25. Es kommt ja wohl entscheidend darauf an, mit welchen und wie vielen Leuten man sich umgibt. Ich folge nur einer vergleichsweise geringen Anzahl von von Twitterern und achte auch darauf, dass meine Follower-Liste nicht sinnlos zugemüllt ist. Ich komme da eher selten in die Verlegenheit, dass Tweets von mir sinnlos retweetet werden. Auch bei meinen Retweets achte ich genau darauf, nur Meldungen zu emfehlen, die mir wirklich gefallen.

    Natürlich wird’s schwierig, wenn man Hunderte oder gar Tausende Follower hat. Aber deshalb davon zu sprechen, dass Twitter tot sei, halte ich für ausgemachten Quatsch.

  26. Pingback: Die Mär von der perfekten Überschrift | Wissenssucher

  27. Hallo Falk. Ich bin noch weit davon entfernt Twitter als tot zu bezeichnen, allerdings hat sich die Nutzererfahrung innerhalb des letzten Jahres schon ein wenig verändert. Ich bin mittlerweile auch lange nicht mehr so aktiv wie früher und häufig beschränkt sich meine Aktivität auf 2-3 Tweets oder Retweets pro Tag.

    Was die Retweets angeht, so lese ich in mehr als 95% der Fälle den Artikel bevor ich ihn retweete oder weiterempfehle. Die anderen 5% in denen ich möglicherweise mal blind retweete setzen sich anders zusammen. Entweder sehe ich es als kleine Gefälligkeit an die Informationen die ein Freund ins Netz gestellt hat ohne persönliche Wertung weiter zu verbreiten, oder aber ich retweete einen meiner „Trusted-Tweeter“ denen ich schon lange folge. Diese kleine Gruppe, zu der auch du zählst, hat mich bzgl. der auf Twitter geteilten Informationen noch nie enttäuscht. Wenn die Headline interessant war hat mich auch immer der zugehörige Artikel interessiert. So habe ich innerhalb der letzten 12 Monate bestimmt ein- oder zweimal Tweets von dir, die einen neuen Artikel auf t3n ankündigten, blind retweetet bevor ich ein paar Minuten später zum lesen vorbei kam.

    Vielleicht ist es falsch blind auf die Qualtität zu vertrauen, aber zumindest in meinem Fall ist es nur die Ausnahme. Ich denke wer sich als zuverlässige Quelle für Informationen hervorgetan hat, muss damit leben auch immer mal blind retweetet zu werden. Ich kann schon nachvollziehen dass es ärgerlich ist wenn ein Nichtleser dann persönliche Wertungen einfließen lässt, aber letztendlich gibt es auf Twitter viele andere Dinge die mich wesentlich mehr ärgern als viele RT’s.

    LG Piet

  28. „Nach wenigen Sekunden“
    „So schnell kann nicht mal Data lesen“
    Um Himmels Willen. Über wie lange Beiträge redest du denn hier, wenn du davon ausgehst, dass Data sie nicht in ein Paar Sekunden lesen könnte?
    (Ich weiß, ich habe da zielsicher die Kernaussage des Posts identifiziert.)

  29. Ich nutze Twitter schon lange nicht mehr als ernsthaftes Medium. Es bleibt mir jedoch nach wie vor eine Quelle der Inspiration. Die Masse an Spam ausgeblendet, findet sich dort unglaublich viel Literatur, Unterhaltung und Weisheit auf kleinstem Raum. Für mich ist es eine Art Aphorismensammlung.
    Ansonsten sehe ich grundsätzlich einen starken Rückgang der Social-Media-Aktivitäten insgesamt. Social Media verkleistert das wahre Leben, meins zumindest.

  30. Das Problem beginnt doch schon damit Twitter vorrangig als soziales Netzwerk zu begreifen. Es ist halt kein Facebook, xyVZ oder Google+. Ich folge nur wenigen Leuten, von denen ich gute Tweets und Informationen erwarte. Wirklich wenigen. Und dazu habe ich einige Nachrichtenlisten. Niemand kann ernsthaft den Kurzmitteilungen von 5000 Leuten folgen. Und Follower sind halt doch keine Ersatzfreunde.

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